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Rezension

Das Portemonnaie hinters Licht geführt

Museum der Illusionen Wien - Rezension
© Museum der Illusionen

Optische Täuschungen, verblüffende Perspektiven, schräge Räume – seit 2017 werden im „Museum der Illusionen“ an der Wallnerstraße im ersten Wiener Gemeindebezirk Besucher weniger an der Nase als an den Sinnen herumgeführt. Dabei wird nicht nur der Verstand, sondern auch so mancher Geldbeutel auf die Probe gestellt.

Groß ist das Museum nicht. Rund 70 Ausstellungsstücke verteilen sich auf knapp 250m² Fläche. Anzunehmen, beim Besuch ein freies Blickfeld auf die Exponate zu haben, ist bereits eine Illusion an sich. Gerade an einem regnerischen Samstag, wenn Touristen die Museen aufsuchen, wird es hier eng.

Wer nicht warten will, für den fällt der Besuch meist kurz aus. Wer alles einmal ausprobieren will, muss Zeit mitbringen. Als Belohnung gibt es lustige Fotos und Erinnerungen. Zum Beispiel vom schwindelerregenden Vortex-Tunnel, der so manchen Magen reizt. Oder vom Ames-Raum, wo man Zwerg oder Riese sein kann. An der Decke schwebend der Schwerkraft trotzen kann man zum Abschluss im „umgekehrten Raum“. Fehlen darf natürlich auch nicht der „unendliche Raum“ – besser bekannt als: Spiegelkabinett.

Viele Illusionen sind bekannt – vom Jahrmarkt, von Bildern, aus dem Fernsehen. Was man kennt, das überrascht wenig. Lassen sich rationale Menschen hier überhaupt hinters Licht führen? Vielmehr dient das Museum als schönes Fotomotiv. Es ist ein Ort, an dem sich „Generation Narzissmus“ einen schicken Hintergrund verpasst. Heutzutage geht es eben um die „Likes“.

Jeder Besuch endet im obligatorischen Museumsshop. Hier gibt es Holzspielzeuge und Puzzles als Frustration für Zuhause. Draußen reflektieren Besucher das Erlebte. Man sieht sie an und fragt sich: Leben sie nun weiter mit der Illusion, dass sich 12€ für das Museum gelohnt haben? Oder haben sie die Täuschung erkannt, und geben ihr Geld das nächste Mal lieber woanders aus. Denn die große Frage ist: Führt das Museum der Illusionen das Gehirn hinters Licht, oder doch eher das Portemonnaie?