VR-Therapie: Hoch hinaus

Nur eine Holzplanke schützt mich vor dem Fall in die Tiefe. Vor mir stehen Wolkenkratzer aus Stahl, Glas und Beton. Unten auf der Straße schlängeln sich Autos durch den Verkehr, der Lärm dringt dumpf herauf. Während ich über dem Abgrund kauere und in die Weite blicke, macht sich Panik breit.
Meine Beine zittern, die Muskeln verkrampfen sich, das Herz schlägt schneller. Die Hände sind schweißnass. Beim Blick in die Ferne wird mir auf einmal sehr schwindelig. Ich habe das Gefühl, keinen Halt zu finden, und schwanke. „Mach dir noch einmal bewusst: Du stehst bei uns im Praxiszimmer“, sagt eine Stimme neben mir. Blinzelnd nehme ich die Virtual-Reality-Brille ab.
Ich stehe nicht mehr auf der Planke, sondern in einem geräumigen Altbauzimmer. Von draußen dringt leise das Treiben auf der Mariahilfer Straße herein. Neben mir steht Johannes Rother, Psychologe beim Wiener Therapiezentrum Phobius. Das Team hat sich auf die Behandlung von Phobien und Ängsten spezialisiert. Menschen kommen her, um ihre Ängste zu bearbeiten – vor Spinnen und Hunden, aber auch Vorträgen und Gewittern. Ich bin wegen meiner Höhenangst hier…